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Feldarbeit: Herausforderung, Frustration und Faszination

Von Marta Manser, 1.4.2008

Ich bin auf unserer Feldstation in der südlichen Kalahari, Südafrika, angekommen um meine beiden Master-Studierenden in ihr Projekt über Kommunikation bei sozialen Tieren einzuarbeiten.Valerie Amsler und Markus Zoettl wurden bereits eine Woche lang ins Arbeiten mit den Erdmännchen von unseren Leuten im Feld eingeführt. In den nächsten zwei Wochen wollen wir nun die Methoden der in Zürich entworfenen Protokolle an den Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum umsetzen. Es stehen uns acht Gruppen von jeweils sieben bis zwanzig Erdmännchen zur Verfügung. Diese Tiere sind an Menschen gewöhnt worden, so dass wir sie von wenigen Metern beobachten und Manipulations-Experimente durchführen können.

Uns interessieren die Mechanismen mit welchen einzelne Individuen im Gruppenverband ihr Verhalten koordinieren. Erdmännchen sind sozial lebende Mangusten und ernähren sich von kleinen Tieren im Sandhabitat. Mit ihrer Grösse (< 1 kg) sind sie selber aber eine begehrte Beute für die vielen grösseren Raubtiere. Um in dieser harschen Umgebung zu ueberleben, haben die Erdmännchen kooperative Verhalten evolviert, welche sie durch komplexe Kommunikationssysteme koordinieren. Valerie untersucht den Nutzen von unterschiedlichen Alarm-Ruftypen. Markus dagegen interessiert, warum ein Einzeltier beim Antreffen von Räuberspuren, wie Urin oder Haaren, Gruppenmitglieder mit Rufen an den Fundort rekrutiert.

Am ersten Tag sind Valerie und Markus mit viel Erwartung und Freude dabei, da jetzt der spannende experimentelle Teil beginnt. Wir folgen der Gruppe in ihrem natürlichen Tagesablauf und diskutieren, wie sie ihre Methoden anpassen müssen, da viele Faktoren am Schreibtisch nicht ersichtlich waren. In den folgenden Tagen treffen wir auf unzählige Schwierigkeiten, welche die Zuversicht von beiden in die Tiefe stürzen lässt. Auf Grund der Publikationen hatten sie sich alles relativ einfach vorgestellt. Sicher, die Bedingungen sind schwierig, da durch viel Regen in den letzten Wochen das Gras über einen halben Meter hoch ist und die Erdmännchen manchmal kaum zu sehen sind. Dann hat die Gruppe an einem Tag wenig Interesse an der Nahrungssuche, am nächsten Tag wiederum werden sie ständig durch das Erscheinen von Raubvögeln gestört, was keine Experimente zulässt. Hinzu kommt, dass wir diesen Lebensraum mit Antilopen von unterschiedlicher Grösse und Gefährlichkeit teilen, ebenso mit Schlangen und Skorpionen.

Erdmännchen

Nach zehn Tagen hat Valerie das Durchführen der Playback-Experimente mehr oder weniger im Griff, bei Markus wird der nächste Tag entscheiden, ob wir sein Projekt durchziehen können. Er musste nicht ganz einfache Probleme lösen, wie: a) einem Einzeltier in der Gruppe gezielt einen Geruch von einem Räuber zu präsentieren; und b) das Testtier in einer Bedingung mit Rufen den Rest der Gruppe rekrutieren zu lassen, während in der anderen Bedingung geanu dies verhindert werden muss. Mit zwei Holzstecken und Angelschnur gelingt es Markus nun zuverlässig, ein Einzeltier mit einem Skorpion im richtigen Zeitpunkt von der Gruppe wegzuführen und diesem gezielt alleine den Stimulus zu präsentieren. Die Rufe können wir mit passendem Hintergrundslärm uebertönen, so dass andere Gruppenmitglieder die Information nur erhalten, wenn wir dies beabsichtigen. Die Stimmung und Zuversicht ist bei beiden wieder auf dem Höhepunkt.

Markus und Valerie Markus und Valerie

Übermorgen fliege ich nach Zürich zurück. Valerie und Markus müssen über die nächsten fünf Monate praktisch jeden Tag ins Feld um eine statistisch akzeptierbare Stichprobe für ihre Experimente zu erhalten. Wenn ich ihren Aufenthalt hier auch meistens nur aus weiter Distanz betreuen kann, lasse ich sie innerhalb eines internationalen Teams von Freiwilligen, Doktoranden und Postdocs zurück, wo sie jederzeit einen Diskussionspartner zur Verfügung haben. Ich bin zuversichtlich, dass die beiden Master-Projekte interessante Resultate liefern. Valerie und Markus, jedenfalls, nehmen die Herausforderung einer grossartigen Erfahrung in wissenschaftlicher aber auch persönlicher Hinsicht mit grosser Begeisterung an.

2 Reaktionen zu «Feldarbeit: Herausforderung, Frustration und Faszination»

Kommentar

Denise Ullmann schrieb am 22. April 2008 um 09:07 Uhr

Da eine Klassenkameradin und ich einen Vortrag über die Kommunikation von Erdmännchen halten sollen, würden wir gern wissen, welche Schlüsse aus dem Experiment von Markus gezogen werden können? Vielen Dank!

Kommentar

Marta Manser schrieb am 28. April 2008 um 08:55 Uhr

Beim Experiment von Markus geht es darum herauszufinden, welchen Vorteil das Einzeltier, das die Räuberspur findet, durch das Rekrutieren der ganzen Gruppe gewinnt. Wir erwarten, dass das Einzeltier durch das Uebertragen vom Wissen über die Anwesenheit eines Räubers im Gebiet nicht alleine aufmerksamer wird, sondern dies mit der ganzen Gruppe teilt. Durch diese allgemein erhöhte Aufmerksamkeit, kann ein Einzeltier seine eigene Aufmerksamkeit geringer halten und weiterhin effizient nach Nahrung suchen. Es erlaubt der Gruppe vielleicht auch den Räuberdruck in einem Gebiet einzuschätzen. Es ist jedoch schwierig die richtigen Experimente durchzuführen um diese Hypothese zu testen.

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