Von West nach Ost: Studienaufenthalt in Asien
Von Andrea Schenker Wicki, 5.3.2008
Nächsten Monat reise ich mit der Abschlussklasse unseres Executive MBA Programms nach Asien und eine ganze Reihe von Vorbereitungen stehen an, die unbedingt in den nächsten Tagen erledigt werden müssen. Zum guten Glück sind alle Flüge gebucht, ausser dem meinigen. Aber ich bin selbst schuld, da ich mich immer in letzter Minute entscheide, wann ich definitiv wohin fliege und wie lange ich bleiben werde. Früher war dies nicht so, aber seit unsere Kinder da sind, ist alles ein bisschen komplizierter geworden. Sie sind jetzt in einem Alter, wo sie mich sehr ungern ziehen lassen und mich am liebsten zu Hause an einem Stuhl festbinden würden. Also ich hoffe, ich kann wenigstens mit der Klasse gemeinsam zurückreisen und es gibt noch einen freien Platz für mich!
Wir haben ja eine gewaltige Tour vor uns: zuerst fliegen wir für eine Woche nach Shanghai und besuchen dort die Fudan University. Immer am Morgen gibt es eine Vorlesung und am Nachmittag sehen wir uns verschiedene Unternehmen an, die typisch für das aufstrebende China sind. Wir werden jetzt zum zweiten Mal die Fudan University besuchen, mit der wir ein institutionelles Agreement abschliessen konnten und auch auf dem entsprechenden Campus wohnen.
Letztes Jahr waren die Studierenden sehr begeistert, vom Unterricht, von den Site Visits, aber auch von Shanghai im Allgemeinen! Die Stadt ist wirklich sensationell, für mich vibriert sie vor Energie und jedes Mal, wenn ich wiederkomme, hat sie ein anderes Gesicht. Der Bauboom hat in keiner Art und Weise nachgelassen, es entstehen immer noch neue Quartiere und schöne breite Strassen, bei uns absolut undenkbar!
Dass das Executive MBA Programm der Universität Zürich innerhalb kürzester Zeit ein institutionelles Agreement mit der Fudan University abschliessen konnte, verdanken wir in erster Linie unserer Oberassistentin, die aus China stammt und immer noch in der chinesischen Gesellschaft verankert ist. Ohne ihr Netzwerk wäre es unmöglich gewesen, innerhalb von zwei Monaten eine Zusammenarbeit mit einer chinesischen Top-Universität zu etablieren und in einem Agreement zu verankern.
Das habe ich in der Zwischenzeit gelernt: in China läuft nichts ohne Netzwerke und es werden keine Geschäfte gemacht, bevor man nicht miteinander gegessen hat. Während wir hier im Westen in einem sogenannten ‚low context’ arbeiten, ist in China das Gegenteil der Fall: Fragen nach der Familie und dem persönlichen Umfeld gehören dazu und werden nicht als indiskret angesehen, sondern gerne und bereitwillig beantwortet. Ich finde dies eigentlich gar nicht so schlecht, denn diese Gespräche dienen dem Kennenlernen und schliesslich auch dem Aufbau von Vertrauen, was für jede Geschäftsbeziehung eine conditio sine qua non ist.
